Corona-Krise: Was machen nun die regionalen Food-Start Up´s?!

Wie gehen eigentlich unsere regionalen Food-Start Up´s und Foodunternehmen mit der aktuellen Corona-Krise um? Wir haben mit Mareille Willmann von dem Food-Start Up Mühlenfeld über dieses Thema gesprochen.

Wie gehst Du persönlich mit der aktuellen Situation um?

Ich versuche die Situation einfach so anzunehmen, wie sie gerade ist. Auch wenn die Einschränkungen wirklich sehr drastisch sind und ggf. mit einer Ausgangssperre noch größer werden, habe ich verstanden, worum es geht. Wir müssen einfach versuchen, diesem Virus die Geschwindigkeit zu nehmen, und man merkt ja auch, wie viele Menschen mit dem Thema Abstand und Rücksicht nehmen nicht wirklich umgehen können.

Grundsätzlich ist so eine Entschleunigung vielleicht auch mal ganz gut. Auf das Wesentliche konzentrieren, lernen, dass Freiheit ein hohes Gut ist, das wir noch nie so sehr zu schätzen gelernt haben, und die Hilfsbereitschaft ist toll. Bin gespannt, ob wir in Höxter und Holzminden auch bald an offenen Fenstern gemeinsam singen. Ich versuche einfach, in allem etwas Positives zu sehen, und hoffe ein wenig, dass uns die Ausgangssperre erspart bleibt. Mir tut gerade viel frische Luft und ein Gang in der Natur immer so gut… gerade bei dem schönen Wetter. Dabei bin ich meistens alleine, oder aber wir halten den entsprechenden Abstand ein. Das ist ja auch kein wirklich großes Problem.

Ansonsten plane ich, mal wieder ein paar leckere Sachen zu kochen. Es steht Farbe parat und neues Laminat kommt auch noch. Wenn schon Zeit ist, dann nehme ich jetzt Projekte in Angriff, für die ich mir sonst nicht die Zeit genommen habe.

Wie beeinträchtigt die Corona-Krise Dein Geschäft?

Komplett. Gerade steht alles still. Die großen Märkte empfangen keinen Besuch mehr, mal abgesehen davon, dass die Mitarbeiter, die zur Zeit wirklich Unglaubliches leisten (DANKE dafür an dieser Stelle!), keine Zeit haben, sich um ein neues und kleines Produkt wie WÜRZICH Gedanken zu machen. Große und wichtige Messen für das Sommergeschäft wurden abgesagt. Auch das ist für uns ein echtes Drama, da wir uns dort größere Aufträge erhofft hatten.

Grundsätzlich wüsste ich nicht mal, ob und wie eine Produktion bei uns klappen könnte, und auch die Logistik ist gefährdet, falls das Unternehmen, mit dem wir dort arbeiten, schließen sollte. Viele Fragen, die wir gerade auch nicht beantworten können. Momentan hoffen wir auf den Onlineshop. Es kann weiter direkt bei uns bestellt werden, und auch die Post funktioniert noch reibungslos. Auch daran kann sich noch etwas ändern… Es ging ja auch sonst jetzt alles sehr schnell, und jeder Tag ist anders als der vorherige.

Ich versuche nun, einige Dinge abzuarbeiten und in Ruhe vorzubereiten. Gerade im Moment merke ich doch aber, wie sehr abgelenkt der Geist oft ist. Mit vielen kleinen Unternehmen und Selbstständigen aus der Region hier habe ich einen engen Draht. Die Stimmung ist sehr bedrückend, weil wir alle Angst um unsere Existenz und Ideen haben, in die wir so viel Herzblut gesteckt haben.

Was wäre aus Deiner Sicht jetzt wichtig für kleine Foodunternehmen?

Puh, ganz schwierige Frage. Es wäre natürlich perfekt, wenn Ausfälle vom Staat gesichert würden oder wenigstens ein kleines Gehalt für die Zeit da wäre. Wir leben oft eh alle am Existenzminimum und nutzen unser Erspartes, um eine Idee ins Leben zu rufen und am Leben zu halten. Selbstständigkeit bedeutet in der Regel nicht Reichtum, auch wenn viele das gerne glauben.

Ebenso wäre es toll, wenn der Handel bei einer kleinen Atempause auch wieder an uns denkt. Das ist natürlich viel verlangt, das ist mir klar, trotzdem wird die Vielfalt – und das nicht nur bei Lebensmitteln – unter diese Krise sehr leiden, je nachdem wie lange diese andauern wird.
Wenn ich einen Appell an alle richten darf, dann würde ich sagen: Kauft nach diesem Wahnsinn nur noch bei den lokalen und kleinen Geschäften, nutzt Angebote wie Lieferservice und Co. egal ob für Blumen, Deko oder Pizza. Wenn es geht, unterstützt die kleinen Läden… Die großen Unternehmen werden alle bleiben, die kleinen aber vielleicht nicht. Bei vielen geht es schon jetzt nach nur kurzer Zeit um die Existenz, gerade auch weil das für uns alle so wichtige Ostergeschäft komplett wegfallen wird – neben Weihnachten die wichtigste Verkaufszeit im Jahr.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise Deiner Meinung nach für die allgemeine Lebensmittelbranche?

Die Branche ist gerade total überlastet, und diese vielen massiven Hamsterkäufe sind auch neu. Ich denke, wenn es nur um die Lebensmittelmärkte geht, werden diese davon profitieren. Die Menschen müssen sich nun selber versorgen und kochen und auch Kitas und Schulen, die sonst mittags ein Angebot haben, müssen durch Kochen zu Hause abgedeckt werden. Dadurch werden die Wocheneinkäufe eher größer, natürlich auch der ein oder andere Vorrat, aber ich denke, dafür haben auch nicht alle den Platz, um wirklich riesig zu horten (ich erspare mir an dieser Stelle einen Klopapierkommentar…).

Dafür leiden natürlich Bereiche wie die Großhändler und die Gastronomie. Die haben eine andere Kundschaft, und die Gastronomie darf ja nun wirklich kaum noch oder nur sehr eingeschränkt arbeiten.
Ich hoffe einfach, dass die Menschen in Deutschland Einsicht haben und sich an die Regeln halten, damit wir diese Krise schnell überstehen und wieder in ein normales Leben starten können.

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